Auch
wenn heute die freiwilligen Feuerwehren immer häufiger zu technischen
Einsätzen wie z. B. Autounfällen ausrücken, so bleibt doch,
wie schon in den vergangenen Jahrhunderten die verheerende Kraft des Feuers
eine Urangst des Menschen.
Brandkatastrophen zerstörten nur allzu oft Hab und Gut der Menschen
in den Städten und Dörfern des Mittelalters. Die eng aneinander
gebauten Häuser, oft mit Stroh? oder Schindeldächern, sowie
die Verwendung von offenem Feuer und die mangelnde Wasserversorgung
waren die Gründe für diese lebensgefährliche Bedrohung.
So nimmt es nicht wunder, dass auch in Tirol die Verordnungen zur Brandverhütung
und Bekämpfung bis ins Mittelalter zurückreichen.
Die Landesfürstin Margarete Maultasch erließ mit der "Meraner
Feuerlöschordnung" von 1339 die erste Brandschutzordnung Tirols.
Die Städte Innsbruck und Bozen erhielten bald darauf ebenfalls
Bestimmungen zum Brandschutz und Löschwesen, wobei das Prinzip
der
Nachbarschaftshilfe den Grundpfeiler der Brandbekämpfung in früheren
Tagen bildete. Kaiser Maximilian I. machte mit dem berühmten
Landlibell von 1511 Nachbarschaftshilfe, Feuerwehrwesen und Katastrophenschutz
zur Pflicht eines jeden freien Tirolers.
Die verschiedenen Tiroler Landesverordnungen verpflichteten jeden Bewohner
einer Gemeinde, "Dem Feuer zuzulaufen und Fleiß zu haben,
dasselbe zu löschen, auszutilgen und abzuwehren". Die Alarmierung
übernahmen Wächter auf Stadt- oder Kirchtürmen. Schon
damals
erkannte man die Notwendigkeit des vorbeugenden Brandschutzes. Die "Kitzbühler
Feuerordnung" von 1610 enthält unter anderem
Bestimmungen zur Feuerbeschau, einer brandsicheren Bauweise und der
Bereitstellung von Löschwasser.
Unter dem Reformkaiser Joseph 11. erhält Tirol im Jahr 1787 erneut
eine Feuerlöschordnung. Die darin festgelegten Bauvorschriften
und
feuerpolizeilichen Bestimmungen bleiben bis weit ins 19. Jahrhundert
gültig: Unter anderem wurde das Pfeifenrauchen oder das Hantieren
mit
offener Flamme an feuergefährlichen Orten verboten. Selbst die
in Tirol so beliebten Bergfeuer wurden als grober Unfug untersagt.
In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts löste das
organisierte Feuerwehrwesen in zunehmendem Maße die reine Nachbarschaftshilfe
ab.
In Fieberbrunn schlug die Stunde zur Gründung eines Feuerwehrvereines
im September 1879, also vor nunmehr 123 Jahren. Paulus Waibl,
Oberlehrer und Wirt beim "Sieberer" dem heutigen Gasthof Neue
Post, schreibt als erster Hauptmann der neu gegründeten Feuerwehr
folgendes:
"Durch die im heurigen Jahre mehrmals eingetretenen Kaminbrände
in loco Fieberbrunn trat die Notwendigkeit ein, eine gewisse Ordnung
bei der
Löschung anzubahnen. Der Fingerzeig war: Die Errichtung einer Feuerwehr
für die Gemeinde Fieberbrunn".
Mit diesem Schritt begann allerdings nicht nur das organisierte Feuerlöschwesen
in Fieberbrunn. Bei tiefergehender Betrachtung fanden sich
nämlich zum erstenmal Männer aus der Gemeinde zusammen, um
als selbstbewußte Bürger eine wichtige Aufgabe zu übernehmen,
die früher mehr schlecht als recht von der jeweiligen Obrigkeit
wahrgenommen wurde. Somit waren in der zweiten Hälfte des vorigen
Jahrhunderts das Vereinswesen allgemein und damit auch die Gründung
von Feuerwehren Ausdruck einer sich emanzipierenden Gesellschaft,
die sich die Freiheit nahm, ihre Interessen gegenüber dem Staat
selbst zu vertreten.
Die Führung der Feuerwehr Fieberbrunn war in den ersten Jahrzehnten
dominiert von Handwerksmeistern, Gewerbetreibenden und Gastwirten.
Dieser Umstand hatte mehrere Gründe: Erstens ging die Initiative
zur Gründung der Feuerwehr von den Honoratioren im Dorf und nicht
so sehr
von den Bauern in den umliegenden Weilern aus; zweitens hatten sie als
Selbständige am ehesten Zeit an Übungen und am Vereinsleben
teilzunehmen; drittens hatten Wagner, Schmiede oder Zimmerleute von
Berufswegen die zur Brandbekämpfung notwendige Sachkenntnis und
viertens befand sich im Ernstfall das Löschgerät im Dorf und
wurde von dort aus zum Einsatz gebracht.
Die Ausrüstung bestand um die Jahrhundertwende aus einer Handdruckpumpe,
Feuerhaken und Ledereimern. Die Feuerwehrmänner selbst
waren ausgerüstet mit einem Lederhelm, sowie mit dem Hakengurt,
an dem ein Seil sowie das Feuerwehrbeil befestigt waren. Die Alarmierung
erfolgte auch in Fieberbrunn durch Sturmläuten, Hup- oder Hornsignale.
Daß auch mit diesen bescheidenen Mitteln eine effiziente
Brandbekämpfung möglich war, zeigt der früheste in den
Quellen faßbare Brandbericht. Der Tiroler Grenzbote meldet 1894
über einen Brand
beim "Keanzer Bauern" folgendes: "Die Ortsfeuerwehr mit
der Hüttenfeuerwehr war unglaublich schnell am Platze, und ist
es ungeschmeichelt
nur dieser zu verdanken, daß das so nahestehende Wohngebäude
gerettet wurde und weiter heißt es: "Zur völlig gänzlichen
Rettung des
besagten Hauses ist nicht allein das schnelle Eingreifen, sondern vielmehr
die richtige Aufstellung und Verwendung der zu Gebote stehenden
guten Spritzen und das tatkräftige, richtige, verständnisvolle
und wirrenlose Löschen der jungen Feuerwehr die Hauptschuld daran.
" Daß die
Feuerwehr Fieberbrunn in diesen frühen Tagen bei ihren Brandeinsätzen
mit der tatkräftigen Unterstützung der gesamten Bevölkerung
rechnen
konnte, zeigt ein weiterer Zeitungsbericht aus dem Jahr 1899 über
den Brand des "Drahtzughauses". Der Kitzbühler Bezirks
Bote berichtet: "Die
anwesenden Feuerwehrmänner (Dorf und Hütte) arbeiteten mit
großer Bravour und Ausdauer, ebenso die weitere helfende Bevölkerung.
Hervorheben möchten wir aber noch die Tätigkeit dreier Wirtinnen
(Sieberer Wirtin Frau Eder, Metzgerwirtin Frau Wörgetter und Auwirtin
Frau
Foidl) von denen die beiden ersteren die ganze eisigkalte Nacht hindurch
mit ganz erstarrten Kleidern Wasser schleppten, während die dritte
bemüht war durch Herbeitragen heißen Weines die Mannschaft
arbeitsfähig zu erhalten. " Soviel zum auch heute noch nicht
unumstrittenen
Einsatz von Frauen bei der Feuerwehr.
Schon in den frühen Quellen um die Jahrhundertwende werden die
Teilwehren von Rosenegg und Pfaffenschwendt erwähnt. In Rosenegg
gab es
schon sehr früh im Rahmen des Pillersee Stahlwerkes eine Art Werksfeuerwehr,
deren Angehörige in weiterer Folge auch die Freiwillige
Feuerwehr verstärkten. Pfaffenschwendt, das in den zeitge nössischen
Berichten oft als "Ortschaft" oder aber "hübscher
Weiler" bezeichnet wird,
hatte durch seine relativ große Entfernung vom Ort ein hohes Interesse
an einem organisierten Löschwesen. Ein besonderes Problem bildete
in
Pfaffenschwendt die Wasserarmut, sodaß bereits im Jahr 1900 von
der Feuerwehr der Beschluß zum Bau eines Wasserreservoirs und
zum
Ankauf einer kleinen Spritze gefaßt wurde. Als Entstehungsdatum
der Teilwehr Pfaffenschwendt scheint in den Akten das Jahr 1901 auf.
Das Zeitalter der Motorisierung begann für die Feuerwehr Fieberbrunn
im Jahr 1928, als Vertreter der Fa. Gugg zwei tragbare Motorspriten
vorführten, von denen schließlich eine erworben wurde. Leider
ist diese erste Fieberbrunner Motorspritze nicht mehr erhalten. 1934
erhielt die
Teilfeuerwehr Pfaffenschwendt eine Motorspritze der Fa. Rosenbauer,
die mit einem großen Fest eingeweiht wurde. Von der Schlagkraft
der
Pfaffenschwendter Feuerwehrtruppe legt ein Zeitungsbericht über
den Brand beim heutigen Cafe Obholzer in der Silvesternacht 1937/38
Zeugnis ab. Die Ortsfeuerwehr konnte wegen der großen Kälte,
die das Wasser in den Schläuchen gefrieren ließ, nicht wirksam
eingreifen,
sodaß es erst durch das "wackere Eingreifen der Pfaffenschwendter
Feuerwehr" gelang, den Brand unter Kontrolle zu bringen.
Mit dem Anschluß Österreichs an Hitlerdeutschland brach
auch für die Freiwillige Feuerwehr Fieberbrunn eine bewegte Zeit
an. Zum einen
wurde der Ausrüstungsstand stark verbessert, da die Feuerwehr gerade
in dieser Zeit das erste Fahrzeug samt
Anhänger und neuer Motorpumpe erhielt.
Übrigens wurde dieses leichte Löschgruppen-Fahrzeug aus dem
Jahr 1944 von einigen Feuerwehrmännern liebevoll restauriert und
kann heute
wieder bewundert werden. Andererseits regierte unter nationalsozialistischer
Herrschaft die Politik auch das Vereinsleben. Politisch unliebsame
Personen, wie der langjährige Obmann und Kommandant Rupert Obwaller,
verloren ihr Amt und eine politisch linientreue Führung wurde
installiert. Nach dem Jahr 1942 wurden die Feuerwehren im Deutschen
Reich unter SS- und Polizeigerichtsbarkeit gestellt. Diese Einbeziehung
der Feuerwehren in den nationalsozialistischen Herrschaftsapparat wurde
in Fieberbrunn nicht von allen Feuerwehrmännern ohne weiteres
hingenommen. Der ehemalige Kommandant Rupert Obwaller nahm zwar an der
Verlesung des zitierten Erlasses teil, verweigerte allerdings die
Unterschrift, was auch in den Akten festgehalten wurde. Im Laufe des
Krieges mußten zahlreiche Feuerwehrmänner einrücken,
sodaß gegen
Kriegsende nur mehr eine Feuerwehrbereitschaft verstärkt durch
eine HJ-Feuerwehrschar und eine rasch ausgebildete Frauenfeuerwehr zur
Verfügung stand. Kriegsbedingte Einsätze gab es kaum. Nur
einmal 1945 mußte die Feuerwehr zum Brand des Bauernhauses "Miggla"
in
Pfaffenschwendt ausrücken, das durch einen alliierten Fliegerangriff
auf eine Lokomotive in Brand geraten war. Die Feuerwehrbereitschaft
Fieberbrunn wurde allerdings als Ordnungstruppe zur Bewachung von Fremdarbeitern
eingesetzt.
Nach dem Krieg begann für die Freiwillige Feuerwehr Fieberbrunn
eine Zeit mühsamer Aufbauarbeit. Die Kriegsheimkehrer hatten oft
eine
verständliche Abneigung gegen alles was mit Uniformen und Marschieren
zu tun hatte. Darüber hinaus waren die Menschen vom täglichen
Existenzkampf der ersten Nachkriegsjahre in Beschlag genommen, und brachten
daher wenig Bereitschaft auf, sich für gemeinnützige Anliegen
zu engagieren. Schließlich gelang es aber doch durch das Nachrücken
junger Kräfte in den 50er Jahren in Fieberbrunn wieder eine schlagkräftige
Feuerwehr aufzubauen.
Mit der Errichtung des Zeughauses Dorf unter, starker Beteiligung der
Bevölkerung setzte die Freiwillige Feuerwehr Fieberbrunn 1954 ein
kräftiges Lebenszeichen. Sukzessive wurden seither die Ausrüstung
und der Fahrzeugpark erweitert, um ein möglichst schnelles und
effizientes
Eingreifen zu ermöglichen. Die Anschaffung des Tanklöschwagens
im Jahr 1977 trug den modernen technischen Möglichkeiten Rechnung.
Durch die laufende Modernisierung wachsen aber auch die Anforderungen
an die Feuerwehren ständig an. Schulungen und
Leistungswettbewerbe gehören daher heute zum täglichen Brot
der Fieberbrunner Feuerwehrmänner. Bei diesem Prozeß der
Professionalisierung sollte jedoch nicht vergessen werden, daß
es nach wie vor die Einsatzfreude der Feuerwehrmänner selbst ist,
die es
möglich macht, Leben und Gut der Bürger einer Gemeinde zu
schätzen, ohne sich auf staatliche Hilfe, zu verlassen.
Falls sie noch Fragen zu unserem Museum haben, machen sie einfach einen
Termin aus oder kommen sie an einem
Freitag Nachmittag einfach vorbei.